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Der Weg nach Europa.
Die Spanier lernten auf ihren Eroberungszügen in der neuen Welt die Kartoffel kennen und beschrieben sie als "mehlige Wurzel von gutem Geschmack, eine für die Indianer sehr angenehme Speise und auch ein wohlschmeckendes Gericht für Spanier“. Mitte des 16. Jahrhunderts fand das „Gold der Inkas“ nach der Eroberung des Inkareiches durch Franzisco Pizarro den Weg an den spanischen Hof.
Ebenfalls auf dem Seeweg gelangten die Knollen durch den Piraten der englischen Königin Sir Francis Drake nach England. Der englische Gelehrte Thomas Harriot kehrte 1586 von seiner langen Forschungsreise im nordamerikanischen Virginia auf einem Schiff der Flotte Drakes, das von der Küste des heutigen Kolumbien kam, nach England zurück. Die Schiffsladung war voll mit Pflanzensammlungen aus Süd- und Nordamerika. So entstand die Legende, Drake habe die Kartoffel in Virginia entdeckt.
Segen oder Fluch?
Der spanische König Philipp II schickte 1565 dem gichtkranken Papst Pius IV eine Kiste schöner Kartoffeln als Medizin. Der Papst misstraute jedoch den Knollen und pflanzte sie statt dessen als hübsche Zierpflanzen in seinen Garten und verfütterte die Knollen an die Schweine. So vorsichtig wie der Papst verhielten sich fast alle Menschen in Europa. Man dichtete der Kartoffel an, dass sie viele Krankheiten verursache wie Lepra oder gar die Pest. Die Kirche verdammte die Knolle als dämonisches, lüsternes Gewächs und als Frucht des Bösen. In Frankreich wurde der Anbau sogar unter Strafe gestellt.
Erst als die Regierenden in Europa den Wert der Kartoffel im Kampf gegen Hungersnöte erkannten, griffen sie zu ungewöhnlichen Mitteln und mancher List und Finte, um die Knolle dem Volk schmackhaft zu machen. Friedrich der Große von Preußen ordnete den Verzehr von Kartoffeln bei Androhung von Stockhieben an. Sein Nachfolger Friedrich II drohte sogar, Ohren und Nase abzuschneiden. Zar Nikolaus I ordnete den Anbau per Gesetz nach russischer Manier an: Entweder Kartoffen pflanzen oder Deportation nach Sibirien.
Die Franzosen hingegen erwiesen sich als sehr listig. Der Apotheker Antoine Auguste Parmentier ließ ein mit Kartoffeln bepflanztes Feld tagsüber streng bewachen und hoffte, dass das Volk die Knollen in der Nacht vom unbewachten Feld stehlen würde, denn nur Kostbares lässt man bewachen. Zugleich schickte er Kartoffeln und Blüten der Pflanze an den französischen Hof. König Ludwig XVI. ließ auch tatsächlich die Kartoffeln servieren und seine Frau Marie Antoinette zierte sich mit den Blüten. So gelang es dem Apotheker, die Kartoffel in allen Schichten salonfähig zu machen - vom Bauern bis zum König.
Die Kartoffel in Österreich.
In Österreich taucht der Erdapfel erstmals um 1620 in Seitenstetten auf. Der Abt des Stiftes, Kaspar Plautz, erhielt von einem belgischen Gärtner Kartoffelknollen und baute sie im Klostergarten an. Er hielt viele praktische Tipps und Rezepte schriftlich fest, unter anderem ein Rezept für Kartoffelsalat. Sonderbar ist jedoch, dass die Kartoffel in der Klosterküche keinen Platz hatte. In Kochbüchern des Klosters aus dieser Zeit ist kein einziges Kartoffelrezept zu finden.
Erst Maria Theresia verpflichtete die Bauern, Kartoffeln anzubauen, da sie ihren Wert bei der Bekämpfung von Hungersnöten erkannte. Speziell im Waldviertel wurde der Anbau befohlen, der sich jedoch nur sehr zögerlich entwickelte.
Ihren endgültigen Durchbruch schaffte die Knolle im bayrischen Erbfolgekrieg zwischen Preußen und Österreich 1778 bis 1779, der besser als „Kartoffelkrieg“ bekannt ist. Die verfeindeten Truppen beraubten sich gegenseitig der Verpflegung und gruben sogar die Kartoffeln aus. Damit war der Weg zum Grundnahrungsmittel in Europa geebnet und der Verzehr lag zeitweise bei 200 kg pro Person und Jahr. Diese Menge wurde nie wieder erreicht.







